Der Niedriglohnsektor ist in den letzten Jahren erheblich gewachsen. 6,55 Millionen Menschen, gut 20 Prozent der Beschäftigten, erhalten Löhne, die kaum zum Leben reichen. Der Anteil der Beschäftigten mit Armutslöhnen, die unter einem Drittel des Durchschnittsverdienstes liegen, ist zwischen 1998 und 2008 von 8,3 Prozent auf 12,7 Prozent gestiegen. Betroffen sind vor allem befristet Beschäftigte und Frauen.
Angesichts dieser Entwicklung ist Handeln geboten: Wer Leistungsgerechtigkeit will, wer will, dass es gute und anständige Löhne für gute Arbeit gibt, der braucht den gesetzlichen Mindestlohn in Deutschland.
Bei der Einführung eines Mindestlohns geht es nicht nur um anständige Löhne für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, sondern auch um einen fairen Wettbewerb zwischen Unternehmen: Auch die Unternehmen, die anständige Löhne zahlen wollen, müssen vor Dumpingwettbewerb geschützt werden.
Außerdem belastet Lohndumping die Steuerzahler mit Milliardenkosten, denn sie müssen inzwischen Jahr für Jahr mit 11 Milliarden Euro dafür sorgen, dass Armutslöhne aufgestockt werden. Rund 1,4 Millionen Beschäftigte beziehen neben dem Lohn zusätzliche Sozialleistungen, weil das Einkommen nicht zum Leben reicht. Die Hälfte dieser so genannten „Aufstocker“ erhällt einen Stundenlohn von weniger als 6,44 Euro, ein Viertel von ihnen sogar weniger als 4,95 Euro. Das ist nicht nur unwürdig den Familien gegenüber und den Arbeitnehmern, die hart arbeiten. Es ist auch ökonomischer Unsinn, dass wir mit immer mehr Geld der Steuerzahler staatliche Lohnbewirtschaftung von Armutslöhnen zu leisten haben.